Skitour Zuckerhütl 3507m

Region: Stubai, Österreich

benötigte Zeit:
etwa 6,5h im Aufstiegsmodus (1900 Höhenmeter,22 km), etwa 30-45 min im Abfahrtsmodus.
In der Summe: etwas über 7h.

Jede Saison ist mal zu Ende.
Auch die Skitourensaison 21/22 endete somit für mich am 29. April..
Als Winter-Abschluss hat mir mein Trainer diese Tour vorgeschlagen.
Weshalb? Der Großteil der Höhenmeter wird auf der Piste zurückgelegt.
Was das für mich mit noch nicht optimaler Aufstiegs- und Abfahrtstechnisch der leichtere Weg ist!
Gregor hatte Lust, mitzukommen, so verabredeten wir uns für einen Freitag morgens um 6 an der Talstation vom Stubaital.

Weil die Fahrt ins Stubai für mich nicht gerade die kürzeste ist, bin ich am Tag davor schon angereist, um zumindest eine entspannte Nacht zu haben. Das konnte ich kombinieren mit dem Test meiner Biwakausrüstung!
Tipp: Ausrüstung immer erst testen, bevor es damit ernsthaft auf Tour geht!

Bei mir war es die Therm-A-Rest Z-Lite Sol, die faltbare Schaumstoffmatte, die gerade mal 450g wiegt, und ein Daunenschlafsack von Mountain Equipment, den Helium 400, welchen ich für sage und schreibe läppische 150€ auf eBay Kleinanzeigen kaufen konnte! Für einen Daunenschlafsack, praktisch neu, der dazu noch ein gutes Gewicht-Packmaß-Wärme-Verhältnis hat, und verspricht, bis -2°C Komforttemperatur warm zu halten, echt eine Ansage!

Ich habe Biwaktouren im Sommer letztes Jahr mit einem recht billigen dünnen Schlafsack vom Decathlon gemacht, der nur eine Komforttemperatur von ich glaube 15°C hatte. Junge habe ich gefroren an der Wildspitze..

Aufgewacht bin ich dann schon lange, bevor Gregor da war. Er kam leider erst um 6:30 Uhr an, und auch meine unerwartet lange Anfahrt hat die Nacht von geplanten 7 auf 5 Stunden verkürzt. Naja, aber hilft alles nix, also raus aus dem Schlafsack, kurz EXTREM frieren (Der Blick aufs Thermometer hat mir -8°C verraten, also Respekt an Mountainequipment, der Schlafsack hat mich warm gehalten!), und dann frühstücken.

Als Gregor da war, haben wir direkt die Rucksäcke gepackt und sind um 6:45 Uhr losmarschiert. Die Ersten 550 Höhenmeter hieß es: ALLES auf den Rücken, was wir heute brauchen. Seil, Ski, Skistiefel, Eispickel, das ganze Metall mit Eisschrauben, Gletscherausrüstung usw. Der Rucksack war wirklich schwer. Und trotzdem haben wir die 550 Höhenmeter bis zur Dresdner Hütte in ziemlich exakt einer Stunde hinter uns lassen können. Da hat sich also das Training der letzten Monate massiv gelohnt.

An der Mittelstation gabs dann den ersten Snack und einen Schluck Wasser, die Trailrunner wurden gegen Skistiefel getauscht und los ging es. Zuerst auf der Piste, die uns dann zu steil wurde, wechselten wir in eine Rinne daneben.
Diese Rinne habe ich verflucht, weil meine Spitzkehrentechnik echt bescheiden ist, und ich massiv Probleme hatte, den richtigen Gewichtsschwerpunkt zu finden.

Aber das ist alles Übungssache, und so klappten die Kehren immer besser, je weiter oben wir waren. Bis zur Fernau Liftstation lief alles wie am Schnürchen, ab dort nur noch 500 Meter Höhendifferenz zum Gipfel, bzw knapp 750 Höhenmeter, weil kurz in das Becken dahinter abgefahren werden muss, um dann wieder aufzufellen. Das Unterscheidet sich vom Sommerweg zum Zuckerhütl, bei dem man vom Fernauferner hoch den Grat Richtung Schaufelspitze geht und dann nach rechts ins Blockgelände Richtung Pfaffenjoch ausweicht.
So "verschenkt" man kaum Höhenmeter und geht die logische Linie. Im Winter ist das wohl nicht so.
Vor der Abfahrt hatte ich kurz Respekt weil sie erst recht steil ist, ich habe es aber ganz gut hinbekommen.
Unten im Becken angekommen hieß es wieder auffellen, von hier trennten uns noch rund 700 Höhenmeter vom Gipfel des Zuckerhütl.

Ab hier wurde es zäh. Die Fitness hat super mitgespielt, auch die Höhe war okay, aber Gregor hatte Probleme mit seinem Skistiefel. Bei jedem Schritt hatte er Schmerzen, und der Skistiefel drückte wohl extrem. Ich habe direkt gesagt, dass wir hier auch gerne abbrechen und umkehren können. Er wollte aber zumindest bis zum Pfaffenjoch durchziehen. Das haben wir dann auch getan und sind ganz gemächlich mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit dort hoch gelaufen. An der Stelle war dann aber für Gregor klar, dass er hier nicht mehr weiter gehen wird, und er schlug mir vor, den Gipfel des Zuckerhütl alleine zu besteigen. Ich hatte dabei ein ungutes Gefühl, weil man um dort hin zu kommen, den Pfaffenferner queren muss. Alleine auf einem Gletscher zu sein ist etwas, das man vermeiden sollte. Und trotzdem habe ich mich von der ausgetretenen Spur dazu hinreissen lassen, zumindest mal in Sichtweite des Gipfels zu gehen. Etwas, das ich im Nachhinein nicht mehr machen würde, und dir, lieber Leser eindrücklich sagen will: Lasse niemals deinen Partner alleine zurück im Hochgebirge. Wenn einem von uns etwas passiert wäre, das wäre unverzeihlich gewesen. Ich habe daraus gelernt, auch wenn nichts passiert ist.

Keine 10 Minuten später war ich dann wieder bei Gregor am Pfaffenjoch, der erst mal seine Füße aus den Skistiefeln befreit hat. Leider musste ich ihn dazu bringen, sie wieder anzuziehen, um die Abfahrt anzutreten, und alter Verwalter, war das cool! Vom Pfaffenjoch runter in das Becken unter dem Fernau Lift sind es zwar nur 200-250 Höhenmeter, aber wir hatten richtig schönen Frühlingsfirn, den ich echt gut fahren konnte. Ein paar Schöne Schwünge konnten wir mitnehmen, bevor es wieder ans Auffellen ging, um zur Bergstation Fernau wieder hochzulaufen. Von dort ging es dann geschmeidig durchs Skigebiet bis zur Mittelstation, die uns eine kostenlose Fahrt mit dem Lift ins Tal spendierte.
Danke dafür!

Learnings: Never ever ever ever deinen Partner im Hochgebirge allein lassen!

Ne geile Zeit hatten wir auch ohne Gipfelerfolg :)

© 2021 Patrick Wörner

CLIMBER PROTECT

als Bergsteiger perfekt abgesichert